Auf abenteuerlichen Wegen - Zehnte Luhdener Gemeindewanderung am 28.05.2017

Wo war einst die Preußenkrone versteckt? Was ist die "Schermbecker Linse" und wo liegt die Quelle der Schermbeecke? Zum zehnten Mal hat die Gemeinde Luhden eine "Gemeindewanderung" unter der Leitung von Fritz Schmidt mit wissenswerten Informationen auf teils abenteuerlichen Wegen veranstaltet- Obwohl kurz zuvor einige Schauer nieder kamen, strahlte die Sonne, als Bürgermeister Rüdiger Schmidt die 30 Teilnehmer begrüßte.

Ein Bus brachte die Gruppe zunächst nach Kleinenbremen. Dort übernahm Fritz Schmidt die Führung der Wanderung. Nur den wenigsten war bekannt, dass die Kirche zu Kleinenbremen einst einen Hohenzollernschatz beherbergte: Anfang 1945 wurde eine Teil des Schatzes - nämlich die Kaiserkrone von Wilhelm II sowie 15 silberne Tabakdosen vom "alten Fritz" - durch den ehemaligen Bückeburger Offizier Kurt Freiherr von Plettenberg bei einer Nacht- und Nebelaktion von Berlin über Bückeburg nach Kleinenbremen geschafft. Zum Schutz vor den Alliierten lag sie kurze Zeit später versteckt im Kirchengewölbe, eingemauert unter einer Kellertreppe. Aber bereits ein Jahr später standen bewaffnete britische Soldaten vor dem Pfarrhaus und verlangten die Herausgabe des Schatzes. Er wurde beschlagnahmt und 1948, nach klangen Verhandlungen, an die Hohenzollern zurückgegeben.

Diese und viele weitere Information hatte Schmidt im Gepäck. Am Ende des 19. Jahrhunderts bestimmte der Eisenerzabbau das Leben Leben in Kleinenbremen. Darüber berichtet der belesene Luhdener, während sich die Gruppe unterhalb des Brech-, Sieb- und Verladebunkers aufhielt. Aus den Eingängen er ehe,maligen Schermbecker Erzlinse zog in Abständen eine eiskalter Wind vorbei - eine willkommende Abkühlung an diesem heißen Tag.

Ein steiler Aufstieg in Richtung Papenbrink folgte. Dann ein kurzer Abstecher in den nahe gelegenen Steinbruch. Während sich die Gruppe, die Autobahn kreuzend, langsam dem Quellgebiet der Schermbeeke näherte, zogen von Westen unheilvolle Wolken heran. Aber trotz Regen, glitschigem Untergrund, Brennnesseln und einer kleinen Kletterpartie über einen umgestürzten Baumstamm kamen die Luhdener gut gelaunt an ihrem Zwischenstopp an. Hier wartete Christoph Tecklenburg vom Luhdener Gemeinderat mit Getränken. Weiter ging es hügelauf, hügelab über Schermbeck Richtung Luhden. 

Einen kleine Überraschung wartete längs des Weges auf Bürgermeister Rüdiger Schmidt: In damaligen Zeiten wurde ein "Schnatgang" zum Anlass genommen, Neubürger der Gemeinde zu "poaläsen". Hierbei wurde der zu "poaläsende" von einigen Schnatgängern abgehoben, über einen Grenzstein gehalten und mit seinem Hinterteil ("Ääs") auf den Stein ("Poal") mehrmals aufgetitscht. So schnappten sich an diesem Tag vier Teilnehmer ihren neun Bürgermeister. Dieser darf sich nun, nach vollzogenem Akt "Poalbürger" (Alteingesessener) nennen. Wie der Zufall es wollte stand in der Nähe der Jagdpächter Henrik Frickemeier aus Herford mit einem Jägerschluck bereit, um gemeinsam mit den Wanderern anzustoßen. 

Den Abschluss dieser abwechslungsreichen, kurzweiligen und teils Abenteuerlichen Wanderung, bildete eine Grillen im Gasthaus "Zur Erholung" bei der Familie Thies in Luhden.

Text: Anja Hillmann, Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung

Fotos: Jutta Schmidt-Hauschildt und Peter Zabold

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