"Luhden und das Wasser" - Eine Wanderung mit Historischem Hintergrund am 18.05.2014

 

Nachdem in den vergangenen Jahren unter der Führung von Fritz Schmidt die Grenzen der Gemeinde Luhden abgegangen wurden, der "Alte Kirchweg" bewandert wurde und die Geschichte und Standorte der alten Kalköfen in Augenschein genommen wurden, galt es in diesem Jahr eine erneute Wanderung zu machen - selbstverständlich wieder etwas mit einem historischen Hintergrund. So fand auf Anregung von Fritz Schmidt am Sonntag, 18. Mai 2014 eine Wanderung zum Thema "Luhden und das Wasser" statt, an der wieder zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner sowie einige Kinder teilnahmen. Mit dem Bus ging es zunächst von Luhden zum Ausgangspunkt der Wanderung - dem Wasserwerk in Engern. Von dort führte die Wanderung zur Hirschkuppe und dann zurück nach Luhden.

Hier einige Interessante Information zum Thema der Gemeindewanderung:

Luhden hatte schon immer Wasser. Die ersten Luhdener siedelten an der Beeke und nahmen das Wasser einfach aus dem Bach. Dann gab es viele Jahre, in denen auf jedem Hof ein Brunnen für das nötige Wasser sorgte. Wenn man mit offenen Augen durch Luhden geht kann man einige dieser Brunnen heute noch erkennen. Zur Zeit dürften es noch ca. 15 Stck sein.  Beim Bau der Autobahn in den  1930-er Jahren wurde vielen Luhdener  so zu sagen das Wasser abgegraben. Viele Brunnen versiegten, bzw. trockneten aus. Heute drehen wir einfach den Wasserhahn auf und das kostbare Gut Wasser sprudelt uns entgegen.  Aber wo kommt unser Wasser eigentlich her? Seit 1993 wird jährlich am 22. März der Weltwassertag begangen, das sagt ja schon etwas über die Wichtigkeit des Wassers! Wie viel Wasser verbraucht  bzw. braucht der Mensch eigentlich? Am 22. März war in unserer Tageszeitung zu lesen, das der Mensch ohne Wasser nicht überleben kann. Doch er neigt dazu, verschwenderisch damit umzugehen. In den vergangenen 100 Jahren ist der tägliche Wasserverbrauch von einem Menschen von 20 Liter auf ca.140 Liter gestiegen. Diese setzt sich wie folgt zusammen: 40 Liter  Wasser für das Baden oder Duschen, 30 Liter für das Waschen der schmutzigen Wäsche, 30 Liter beim Gang zur Toilette, 13 Liter Wasser für sonstige Körperhygiene - zum Beispiel Hände waschen, 12 Liter Wasser zum Geschirrspülen und 12 Liter Wasser  für die Bewässerung der Garten- und Zimmerpflanzen. Insgesamt kommt man auf ca.140 Liter Wasser pro Person/ Tag. Und das, obwohl ein gesunder Mensch täglich nur etwa 2,5 Liter Wasser zum Überleben braucht. Davon werden rund 1,3 Liter getrunken 0,9 Liter mit fester Nahrung aufgenommen und 0,3 Liter entstehen bei der Energieproduktion des Körpers (140 l/Tag x 365 Tage = 51.100 l bzw. 51,1 m³ pro Jahr/Pers.).

Zurück in die 1930-er Jahre: Da die Stadt Bückeburg, die bisher ihr Wasser aus dem Harrl und einer Pumpstation in Selliendorf bezog Versorgungsprobleme hatte, wurde 1934/35 durch die Wasserwerke Bückeburg in Engern ein neues Wasserwerk gebaut,  Die Versorgungsleitungen führten auf die Hirschkuppe,  dann in Richtung BAB-Anschluss Bad Eilsen und dann beidseitig der damaligen Reichsstraße 83/ heute B 83, an Luhden vorbei, in etwa über das Gelände des heutigen Golfplatzes  nach Bückeburg. Die Orte Steinbergen und Bad Eilsen wurden noch im gleichen Jahr an die Wasserleitung angeschlossen. Als Vergleich zu den Zahlen vom Weltwassertag:  1938  wurden von den Wasserwerken  130 m³  Wasser nach Luhden geliefert. Die Gemeinde Steinbergen hat im gleichen Zeitraum ca. 36.229 m³ und die Gemeinde  Eilsen, ohne das Bad  ca. 9.319 m³  verbraucht. Im letzten Jahr wurden laut Angabe der Stadtwerke ca. 49.000 m³  nach Luhden geliefert. 1939 wurde die Wasserleitung der Wasserwerke Bückeburg dann von Klein Eilsen durch Luhden  nach Schermbeck und weiter nach Kleinenbremen verlegt. Welche  Häuser in Luhden als erste an dieses  Wasserleitungsnetz  angeschlossen wurden,ist leider nicht bekannt. Nach Aufzeichnungen von Lehrer W. Ahrens,  wurde die so genannte  „Neue Schule“  in Luhden  1946  und  die  „Alte Schule“  im Juli 1947 an das Leitungsnetz angeschlossen.

Das Wasserwerk Engern: (Heute Verbund- und Aufbereitungs GmbH, gehört zu 80 % den Stadtwerke Schaumburg-Lippe, und  zu 20 % den Stadtwerken  Rinteln) Es wurde in den Jahren 1934/35 von den Wasserwerken Bückeburg erbaut - zeitgleich mit dem Hochbehälter auf der Hirschkuppe. Der Betrieb begann im April 1935. Im gleichen Jahr begann auch die Wasserversorgung der Gemeinden Steinbergen und Eilsen sowie der Bad Eilsener Betriebsgesellschaft.  Zuerst wurde das Wasser von 2 Dieselmotoren auf die Hirschkuppe gepumpt, doch innerhalb von 2 Jahren wurden die Dieselkosten infolge von Zollerhöhung um 70 % erhöht. Die Firma Humboldt-Deutz aus Köln nahm eine Dieselmaschine zum vollen Wert zurück und lieferte einen neuen Antrieb, der mit Generatorgas angetrieben wurde. Dadurch wurden die Kosten für eine PS-Stunde wesentlich geringer. Doch der Gasantrieb war sehr Störanfällig und musste manchmal täglich repariert  werden. Deshalb musste der zweite, noch mit Diesel betriebene Antrieb, immer öfter eingesetzt werden. Es war nicht in Erfahrung zu bringen, wie viel Brunnen in den ersten Jahren dieses Werk mit Wasser belieferten, heute sind es auf jeden Fall 15 Brunnen, die für Wassernachschub sorgen.  (Die Standorte sind Engern-Ahe-Großenwieden u. Kohlenfeld)  Aus diesen Brunnen wird das Wasser in den 1000 m³ fassenden Behälter in Engern gedrückt.  Von dort wird es in das Wasserwerk gesaugt und dann sorgen 3 Elektromotoren mit je 250 KW Antriebsleistung  dafür, dass das Wasser auf die Hirschkuppe gepumpt wird. Ein Motor leistet 460 m³ pro Stunde, wenn 2 Motoren laufen, schaffen sie zusammen 800 m³. Der 3. Motor ist zur Reserve. Damit die beiden Motoren auch immer mit Strom versorgt werden, denn ohne geht ja nichts, gibt es auf dem Gelände des Wasserwerkes 2 voneinander unabhängige Trafostationen, die aus 2 unterschiedlichen Stromnetzen versorgt werden.

Hochbehälter Hirschkuppe:  Es gibt 2 Behälter mit einem Fassungsvermögen von je 1000 m³, also 2000 m² oder 2 Millionen Liter. Man nennt so etwas auch Brillensystem. Der Vorteil, man kann einen Behälter reinigen, ohne dass die Anlage ausfällt. Der 1. Behälter entstand 1934/35 und der 2. Behälter wurde später von der Wasserversorgung „Kreidemulde/Obernkirchen gebaut. Die Hirschkuppe hat eine Höhe von 248 Meter über NN,  die Behälter stehen etwa auf Höhe 185 Meter. Von hieraus wird das Wasser durch die Schwerkraft zu den einzelnen Abnehmern transportiert.  Bei Wohngebieten, die annähernd diese Höhe erreichen, oder höher liegen, wir eine Druckerhöhungsstation zwischengeschaltet. ( Wie z.B. in Schermbeck, Im Grunde). Im Durchschnitt  lieferten die Stadtwerke Schaumburg-Lippe in den vergangenen Jahren ca. 4.000.000 m³  Wasser jährlich in ihren Betriebsbereich. Davon, wie schon gesagt, ca. 49.000 m³ / Jahr nach Luhden. Bei ca. 1100 Einwohnern läge der Wasserverbrauch in Luhden demnach bei 44,55 m³ pro Pers./ Jahr bzw. bei ca. 122 l pro Pers/Tag, also etwas weniger als die Angaben in der Tageszeitung am Weltwassertag.

Nach so vielen interessanten und erstaunlichen Information und einer zurückgelegten Strecke von ca. 8 Km, auf deren Hälfte eine Verpflegungsstation eingerichtet war, konnte dieser schöne Sonntag in gemütlicher Runde mit einem abschließenden Grillen in der Gaststätte "Zur Erholung" in Luhden ausklingen.

Text: Fritz Schmidt nach Angaben der Stadtwerke Schaumburg-Lippe

  Fotos: Peter Zabold    

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