Der "Kalkofen" - Eine Wanderung mit historischem Hintergrund 

 

In stattlicher Zahl folgten sie am Sonntag, 05. Mai 2013, dem in der Streckenführung und Historie sachkundigen Wanderführer Fritz Schmidt.

Gleich nach der Begrüßung gab es eine erste Einführung in die Heimatgeschichte. Dabei wurde auch die Frage beantwortet, wie ein Kalkofen funktionierte und welche Aufgabe er hatte. Fritz Schmidt berichtete, dass sich im Inneren dieser Anlage ein Rost befand, auf dem eine Lage Stroh, danach Holz oder Koks und zuletzt Kalksteine aufgeschichtet wurden. Der Kalk wurde nach dem Brennvorgang in einer sogenannten Prallmühle zerkleinert. Das Endprodukt füllte man in Papiersäcke ab, die einen Zentner der weißen Masse enthielten. Verwendet wurde der Kalk vornehmlich für die Mörtelherstellung und damit zum Häuserbau, unter anderem für die Mindener Festung und – so wird überliefert – auch zum Bau der Festung auf der Insel Wilhelmstein. Es war außerdem üblich, Dielen und Ställe damit zu weißen. In der Landwirtschaft kam der Kalk auch als Düngemittel zum Einsatz. Schmidt berichtete auch, dass es zwischen 1815 und der Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Kirchspiel Kleinenbremen allein zwischen Wülpke und Luhden 17 Kalköfen gegeben habe. Davon seien allerdings sieben nur für den Mindener Festungsbau von 1800 bis 1840 in Betrieb gewesen. Beliefert wurden sie mit Kalkstein aus dem nahen Wiehengebirge. Laut alten Unterlagen des früheren Landratsamtes Bückeburg ist im 19. Jahrhundert in Luhden der Bau von zwei Kalköfen beantragt und genehmigt worden. Dem Colon Tecklenburg, Luhden Nr. 4, wurde 1869 ein solcher Antrag bewilligt. Es ist aber nicht bekannt, ob er auch umgesetzt wurde. Nachdem zwei vorgesehene Standorte abgelehnt worden waren, wurde in Luhden dann endlich der Bau am Ende der heutigen Kalkofenstraße zwischen Gartenstraße und der Nord-Süd-Straße realisiert. Dieser Ofen hatte eine Grundfläche von 81 Quadratmetern und eine Höhe von 4,45 Metern. In ähnlicher Größe sei, so Schmidt, ein Ofen in Selliendorf errichtet worden. Die Luhdener Betriebsstätte soll mit einer Unterbrechung zwischen 1878 und 1886 bis zum Sommer 1914 sieben Mitarbeiter beschäftigt haben. Nach Ende des Ersten Weltkrieges waren davon fünf gefallen; der Brennbetrieb wurde danach nicht mehr aufgenommen. Der Abbruch erfolgte 1920. Einige Jahre später baute Ernst Apking dort sein Haus Luhden Nr. 73.

Am Ende der gut 4-stündigen Wanderung erfolgte in der Gaststätte "Zur Erholung" der gemütliche Ausklang in geselliger Runde.

 

Text: Fritz Schmidt/ Siegfried Klein, Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung

 

Fotos: Peter Zabold      

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